Was kann Permakultur?

Ich möchte nicht zu viel über „die Krise“ schreiben, ich  werde mich an die Fakten halten. Die realen Fakten. Ich möchte erklären, wo Permakultur ansetzen kann, und wo permaculture.at ansetzen möchte. Es gilt Ideen zu sammeln, und diese vernetzt auszutauschen.

Die Geschichte ist gezeichnet von großen Umwälzungen. Im Moment gibt es eine große Wanderbewegung in der Bevölkerung. Die Menschen ziehen vom Land in die Städte der Erde. Inzwischen lebt rund die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Die Wanderbewegungen halten an, und in Österreich beispielsweise, in der Altersgruppe der 18-26 jährigen, ziehen jährlich mehr als 10.000 Menschen in die Hauptstädte. Das sind 1,2% der Gesamtbevölkerung pro Jahr. (Statistik Austria, Binnenwanderung 2011). Addiert man zu diesem Prozentsatz noch die anderen Altersgruppen, so erkennt man:

  • Eine Wanderbewegung der jungen Leute in die Hauptstädte
  • Eine Wanderbewegung der bis 74 Jahren –etwas vereinfacht ausgedrückt – ebenfalls in die kleinen und großen Städte, aber auch in die „Speckgürtel“ der Städte.
  • Überraschend ist, dass auch bei den über 75 Jährigen eine starke Wanderbewegung verzeichnet wird. Ein Grund ist wohl, dass Pflegeeinrichtungen und Altenbetreuung tendenziell eher in größeren Ballungsräumen angeboten wird.

Gleichzeitig gibt es in Österreich, im gesamten Alpenraum und auch im Rest der EU, ein seit Jahrzehnten  andauerndes Bauernsterben. Im Jahr 1980 gab es rund 325.000 Land- und Forstwirtschaftliche Betriebe in Österreich, im Jahr 2007 lag die Menge der Betriebe schon unter 200.000.  In 27 Jahren sind mehr als 125.000 Betriebe verloren gegangen. Im Jahr 2011 gab es im Vergleich zu 2004 um 8% weniger Nahversorger. Die Betriebe werden größer, die Flächen werden zusammengelegt, und es entstehen für Österreich und EU weit – historisch gesehen – untypisch große Betriebe, mit Flächen von weit über 200 ha. (Lebensministerium Österreich, Grüner Bericht 2011) Angemerkt sei auch, dass Strukturen von 200 ha in anderen Teilen der EU eher kleine bis mittlere Betriebsgrößen sind. Flächen von 1000 ha und mehr sind keine Ausnahmen. Eine Landwirtschaft in solchen Großdimensionen ist abhängig von Erdöl. Es arbeiten immer weniger Menschen in der Landwirtschaft, sie werden von Maschinen ersetzt.

Die Landwirte und der Markt

Die österreichischen Bauern werden durch Förderungen im Rahmen des ÖPUL-Programms (Österreichisches Programm für umweltgerechte Landwirtschaft) unterstützt. Die Landwirte mit ihren teils kleinen und in den Bergen oft unzugänglichen, steilen Flächen, werden von den Märkten überrollt. Das bedeutet, dass unsere Landwirte nicht in der Lage sind, so effizient und kostengünstig wie Landwirte in anderen Ländern zu produzieren. Im ganzen Alpenraum dasselbe Bild.

Auf den großen Märkten kann man ohne Geld nichts kaufen. Wenn es nur diesen einen globalisierten Markt gibt, dann hat schlicht und einfach nicht jeder darauf Zugriff. Wenn internationale Konzerne in die lokalen Märkte eindringen und Fuß gefasst haben, ist es nur eine Frage der Zeit bis sie Zusammenbrechen und eine Abhängigkeit entsteht.

Durch Förderungen wie ÖPUL werden Werte wie „das Offenhalten der Kulturlandschaft“ oder das „Pflegen des Ortsbildes“ abgegolten und die Landwirte angehalten ökologischer zu wirtschaften. Die Kulturlandschaft wie wir sie heute kennen, hat mit einer Naturlandschaft nichts gemein. Sie ist ein Nebenprodukt der Landwirtschaft. Für diese Kulturlandschaft gibt es erst seit relativ kurzer Zeit Schutzbemühungen. Der Umweltschutz kam auf, als die Erkenntnis wuchs, dass durch die ablaufenden Prozesse eine Bedrohung der Natur entstanden ist. Im Zuge der seit ca. 5000 Jahren betriebenen Landwirtschaft in unseren Breiten, sind die Nahrungspflanzen und Tiere entstanden, die wir heute essen. Es steht fest, dass die Früchte der heutigen Zeit ein Produkt der Züchtung sind, die es so in der Natur nicht gab. Etwas Schützenswertes ist entstanden. Die Basis von der wir essen, und mit der wir leben müssen. Gewissermaßen ein Rahmen des Möglichen, auf eine Zeitdauer die derzeit gedacht werden kann.

Desto größer die Strukturen in der Landwirtschaft werden, desto mehr ist die Verantwortung zentralisiert, desto stärkere Interessen in Richtung Gewinn. Lebensmittelerzeugung um Gewinn zu erwirtschaften, ist nicht das Selbe, wie gute Lebensmittel für Menschen erzeugen zu wollen. Auch die Nahversorgung ist durch die Landflucht betroffen. Durch die Wanderbewegungen der Menschen werden die regionalen Beziehungen beeinträchtigt, und somit auch die sozialen Netze, die noch in der Lage wären, Nahrung – im Fall der Fälle – zu liefern. Ein gewagtes Gedankenspiel.

Die Wanderbewegungen der Menschen verursachen eine Strukturänderung. Vielleicht verursacht auch die Strukturveränderung die Wanderbewegung. Der ländliche Raum wird dadurch unattraktiv: Abwanderung, Nahversorger sperren zu, weniger regionale Märkte, weniger Landwirtschaft und so weiter. Es ist also ein Prozess im Gang, der ungewiss und anhaltend ist. Ein sehr komplexes System.

Für viele kleine Gemeinden, und dort speziell für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, ist diese Strukturveränderung mehr als eine Unannehmlichkeit. Eine weiter Zahl, der österreichischen Waldinventur bzw. dem Grünen Bericht 2011 entnommen, lässt aufhorchen: Im Jahr wachsen rund 5800 ha (58.000.000 m²) mit Wald zu. Diese Flächen gehen also für die konventionelle Lebensmittelerzeugung bzw. Landwirtschaft verloren. (Lebensministerium.at, Grüner Bericht 2001, S 145)

Permakultur schafft attraktive Lebensräume

Permakultur, oder die vielen Ideen und Themen die mit diesem Begriff zusammengefasst werden, beinhalten Konzepte, die attraktive und produktive Lebensräume schaffen. Es gibt weltweit eine wachsende Menge an Beispielen und Insellösungen, die klar zeigen, dass es Alternativen zu den vorhandenen Strukturen gibt. Diese Alternativen sind nicht nur gut geplant und gut gemeint, sondern auch getestet. Es ist an der Zeit, diese Ideen an die breite Öffentlichkeit zu tragen, und Wissen auszutauschen. Es gibt heute vermutlich viel mehr Menschen die nicht in der Lage sind, sich zu versorgen (nicht nur auf Nahrung bezogen), als Menschen die sich selbst versorgen könnten. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass man Zugang zum Wissen in theoretischer Form hat, um sich das Knowhow selbst anzueignen, welches nötig wäre, um in einer permanenten Kultur leben zu können. Das Erziehungssystem und Ausbildungssystem trägt nicht viel zur Selbstständigkeit in einer permanenten Kultur bei.

Open Source

„Open Source“. Offene Quelle. Der Ausdruck „Open Source“ ist, in Kreisen von Menschen, die viel mit Computer zu tun haben, ein gängiger Begriff. Er steht für Offenheit und Austausch. Bei der Entwicklung von Programmen für alle nur erdenklichen Anwendungen zum Beispiel. Aber nicht nur Programme, ganze Betriebssysteme (Linux, Android, Open BSD usw.) sind durch die freiwillige Zusammenarbeit ermöglicht worden. Diese Systeme sind der Allgemeinheit wenig bekannt. Vielen ist nicht klar, dass das Internet (wie man es kennt) auf Basis freiwilliger Zusammenarbeit nahezu ohne Gewinninteresse entstanden ist. Das Internet, dieses gigantische Informationsnetzwerk, funktioniert mit Open Source Software. Es funktioniert NUR mit der Open Source Idee. Warum ist das Internet in so kurzer Zeit so interessant geworden? Warum ist es heute nicht mehr aus dem Leben wegzudenken? Weil Freiwillige kostenlos über Ihre Hobbies berichtet haben. Weil Kommunikationplattformen entstanden sind, und man sich austauschen kann. Das Internet ist ein regelrechter Spiegel der Gesellschaft. Die, die sich intensiv und mit Freude, mit allen nur erdenklichen Dingen und Themen beschäftigen, haben kostenlos Informationen, Anleitungen, Dokumentation oder Berichte erstellt und geteilt. Durch Zusammenarbeit wurde ein Großteil des Wissens für jedermann zugänglich.

Permacultur.at

Permaculture.at versteht sich als EINE von VIELEN Möglichkeiten sich zu vernetzen. Auf Permacultur.at soll der Gedanke des Open Source konsequent umgesetzt werden. Es ist absolut nötig das essentielle Wissen, dass heute unter dem Ausdruck Permakultur gebündelt ist, zu verbreiten und zu dezentralisieren. Eine Dezentralisierung dieses Wissens bedeutet Sicherheit. Ein Backup.

Es gibt weltweit eine überraschend hohe Personenzahl die konsequent entwickelt, was morgen eine Lösung sein könnte. Es gibt von diesen Personen viele Informationen im Internet. Für viele Menschen ist es nicht ohne weiteres möglich, auf die teilweise mehrere Giger Byte großen Datenpakete (Torrent) zuzugreifen. Einerseits fehlt das technische Verständnis für neuen Medien und Möglichkeiten der Vernetzung. Andererseits ist allgemein wenig bekannt, welche Formen von Wissen und Daten zugänglich sind. Das ist die rein technische Sicht auf diesen Fakt. Eine andere Sichtweise ist das generell relativ niedrige Wissen um den Begriff Permakultur, also um die Möglichkeiten die mit diesem Begriff zusammengefasst werden. Deshalb verfolge ich das Ziel, Menschen zu vernetzen die vernetzt werden wollen. Jede Einzelperson, jeder Personenkreis oder Verein ist willkommen. Der Themenbereich ist groß, denn die Permakultur berührt viele Bereiche des Lebens.

Es geht um mehr, als um eine bloße Designmethode für den Garten oder für die Landwirtschaft. Permakultur gibt echte Antwort auf die Zukunftsfragen der Jetztzeit. Der Wissensaustausch in den angesprochenen Bereichen ist äußerst wichtig! Es gibt wenige Personengruppen die echte Lösungen bieten können. Lösungen mit denen man gut leben kann.
Die Permakultur hat Antworten die Umsetzbar sind!

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