Permakultur für Landwirte: Getreide auf großen und kleinen Flächen

Getreidefelder-von-Christian-Moesenbichler

Im ersten Teil der Serie „Permakultur für Landwirte“ habe ich über die Situation der Landwirtschaft geschrieben. Ich habe auch versucht einige alternative Impulse zu geben. Heute geht es um Getreideanbau in der Permakultur. Ich möchte damit ein Thema behandeln, dass mir schon länger unter den Fingernägeln brennt, und vermutlich für viele interessant ist.

Permakultur und Getreide? Wie soll das zusammenpassen? Permakultur versucht den Boden schonend und so wenig möglich zu bearbeiten. Eine einjährige Getreidekultur passt also nicht unbedingt zur Permakultur-Ethik. Am allerwenigsten, wenn die Kultur intensiv und konventionell angebaut wird. Getreideanbau ohne den Boden zu schädigen und dabei einen Mehrfachnutzen zu erzielen, ist aber möglich.

Die richtige Auswahl von Sorten kann Gemüsefruchtfolgen aufgelockern, kann wertvolles Mulchmaterial erzeugen und „Kochgetreide“ liefern, das den Reis vom anderen Ende des Planeten ersetzt. Getreide liefert Winterfutter für Tiere, ist leicht und sehr lange lagerfähig. In lichten Obstgärten kann es als ausdauernder Bodendecker in einer Saatgutmischung dienen. Gräser sind das Rückgrad einer Wiese und sorgen durch ihre Kraft für Stabilität.

Heute möchte ich verschiedene Roggen (Secale) Arten beschreiben und mit einigen häufig missverstandenen Fakten aufräumen. Ich möchte auch eine spezielle Gerstenart vorstellen, die ein hohes Potential als direkt verwendbare Nahrung mit sich bringt.

Einjähriger Roggen (Secale cereale) ist ein sehr bekanntes und relativ anspruchsloses Brotgetreide, und bedarf keiner großen Erklärung. Die Anspruchslosigkeit ist aber erstaunlich, und wird an folgendem Beispiel deutlich: Die Universität für Bodenkultur baut auf Versuchsflächen seit 1960 (bis heute) Roggen in Monokultur an. Jedes Jahr auf drei Flächen zum Vergleich ohne Düngung, mit Stallmist und mit Mineraldünger. Die Ergebnisse sind überraschend. Seit 1960 gab zwar starke Schwankungen aber im Schnitt eine Steigerung auf allen drei Versuchsflächen. Dies ist auf die verbesserte Bodenbearbeitung zurückzuführen. Im Durchschnitt beträgt der Ertrag ohne Düngung immer noch 20 dt/ha im Vergleich zur Düngung mit Stallmist wo man 35 bis 40 dt/ha erntet (Wagentristl 2006). Ich möchte damit verdeutlichen, dass Getreideanbau nicht per se den Boden zerstört.

Eine weitere relativ bekannte Roggenart ist das Waldstaudenkorn (Secale multicaule). Diese zweijährige Art ist nicht ausdauernd, wie oft fälschlicherweise behauptet. Das Korn benötigt mindestens eine Frostperiode um einen Kornertrag zu liefern. Wird die Pflanze allerdings als Grünfutter, vor der Ährenbildung, geschnitten ist es „ausdauernd“. Der Bestand wird sich aber mit der Zeit ausdünnen. Eine Kornnutzung ist nur einmal möglich. Das Waldstaudenkorn ist noch anspruchsloser als der bekannte, normale Winterroggen. Es eignet sich sehr gut um die Fruchtfolge aufzulockern und dem Bodenleben Ruhe zu gönnen. Für viehhaltende Betriebe mit Ackerbau eine interessante Art. Auf stark verunkrauteter Ackerfläche kann „Unkraut“ sehr gut unterdrückt werden, und viel organische Masse als Düngung gebildet werden. Eine sehr gute Pflanze mit hohem Vorfruchtwert.

Eine wirklich ausdauernde Roggenart, also auch zu mehrfachen Getreidenutzung, ist die eher unbekannte Roggenart mit dem Namen Secale strictum(Plants for a Future 2012). Im amerikanischen Raum gibt es bereits Forschungen zur Verbesserung der Ertragsstruktur. Dort ist es unter dem Namen „Mountain Rye“ bekannt. Auch der Autor Martin Crawford, der unter anderem das äußerst empfehlenswerte englische Buch „Creating a Forest Garden“ geschrieben hat, beschäftigt sich mit diesem ausdauernden Getreide. Nach langer Recherche stelle sich für mich heraus, dass es von Saatgutanbietern in Europa nicht angeboten wird. Auch die Anfrage bei Martin Crawford, der das Saatgut zwar vermehrt, aber noch zu wenig für den Verkauf hat, brachte mich dem Saatgut nicht näher. Erst durch die Anfrage bei der Genbank Gattersleben

(www.ipk-gatersleben.de) habe ich einige Körner ergattern können. Leider gibt es wenige Informationen zu diesem Getreide. Die Organisation „Plants for a Future“ bewertet das Getreide auf jeden Fall mit 5 von 5 Punkten für die Nutzung als Lebensmittel. Ich selbst habe begonnen, mit dem Getreide zu experimentieren, Ergebnisse gibt es aber noch keine. Secale Strictum ist nicht die einzige ausdauernde Getreideart, die in der Zukunft von großem Nutzen sein könnte. Leider gibt es zu anderen Arten noch weniger Informationen.

Ein Weiteres Getreide das für die Permakultur von Interesse sein kann, ist die Nacktgerste. Die Nacktgerste ist durch eine Mutation zufällig aus Sommergerste entstanden. Der Unterschied zur normalen Sommergerste ist, dass das Korn ohne Spelz wächst, also nackt, und somit nach dem Dreschen direkt zu Verzehr – ähnlich wie Reis – geeignet ist. Nacktgerste ist mit seinem relativ hohen Eiweißgehalt ernährungsphysiologisch recht interessant und durchaus für kleinere Flächen, oder den Anbau in einem großen Garten, geeignet. Schon Flächen von 10 x 10 Meter würden einen Ertrag von 50-100 kg Getreide ergeben. Nacktgerste kann den jährlichen Reisbedarf eines Haushaltes sicherlich substituieren. Auch Martin Crawford erwähnt in seinem Buch, dass Getreideanbau auf kleinen Flächen durchaus lohnenswert ist. Nacktgerstensaatgut ist in Bioqualität im Saatguthandel und bei Arche Noah erhältlich.

Bis zur Aussaat einer Sommerung, um den 1. März, ist jede Menge Zeit sich genauer über die Möglichkeiten zu informieren: In der Onlineversion des Artikels (unter www.permaculture.at) werde ich noch einige lohnende Videos zum Getreideanbau und zur Weiterverarbeitung und Reinigung auf kleineren Flächen ergänzen.

Videos als Anregung zum Anbau auf kleinen Flächen

Es gibt wenige Informationen zum Getreibebau auf kleinen Flächen. Einige getestete Möglichkeiten finden sich im Youtube-Kanal von “rrhase”. DEM Gartenblogger, der die Selbstversorgerszene und alle die Sehnsucht nach einem eigenen Garten haben, regelmäßig mit Videomaterial füttert. hier ein Video zum Einstieg. Aber, es lohnt sich auf jeden Fall auch andere Videos auf dem Blog www.neulichimgarten/blog zu sehen.

 

Links:

http://www.permakulturberatung.de/PDF/Bioland%20Zeitung%2008Hofer.pdf

http://www.permakultur.net/?mdoc_id=1001066

 

Quellen:

Wagentristl (2006) Ackerbauliche Nutzpflanzenkunde by Dr. Helmut Wagentristl, at: http://plantbreeding.boku.ac.at/951110/12_ANK_pb_getreide.pdf (Abfrage am 07.12.2012)

Plant for a Future (2012) Secale strictum kuprijanovii by Gossh., at: http://www.pfaf.org/user/Plant.aspx?LatinName=Secale+strictum+kuprijanovii (Abfrage am 07.12.2012)

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3 Responses to “Permakultur für Landwirte: Getreide auf großen und kleinen Flächen”

  1. Peter Reumann sagt:

    Hallo Christian,

    guter Artikel, wertvolle Hinweise. Für uns ist beim Getreide auch die Stellung in der Fruchtfolge wichtig, wir sind auf unseren Äckern ja doch eher intensiv unterwegs. Die Nacktgerste werde ich in der nächsten Zeit auf jeden Fall testen – gibt es sie eigentlich auch als Nahrungsmittel zu kaufen? Wie schmeckt’s?
    Eine Frage zum Roggenertrag: kann es sein, dass er um eine Zehnerpotenz zu gering ausgewiesen ist? Bio-Erträge beim Roggen in unserer Region wären 2-4 Tonnen (20-40dt)?

    Liebe Grüße

    Peter

    • Guten Morgen Peter!

      Du hast vollkommen Recht! Ich hab mich um eine Zehnerpotenz vertan.
      Im Handel beim DM z.b. gibt es Rollgerste. Das ist normale Gerste die geschält wurde.
      Der Geschmack kommt hin, aber die Konsistenz ist etwas anderes. Rollgerste ist mir pers. etwas zu “schleimig”.

      lg ch

  2. Toller Artikel, gefaellt mir gut. Ich habe diesen auf FB geteilt und einige Likes dafuer bekommen.
    Weiter so!

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