Audio: Konsum und Suffizienz

geld

„Suffizienz, also ein möglichst geringer Verbrauch von Ressourcen, ist nicht nur der Umwelt wegen nötig, sondern als Selbstschutz, angesichts der psychischen Überlastung durch Konsum. Es ist also nicht der Versuch des Einzelnen die Welt zu retten, sondern es ist Selbstschutz suffizient zu leben. Wenn ich weiß, dass die Ressourcen schon bald so teuer sein werden, dass ich sie mir nicht mehr leisten kann, dann ist es nur logisch, nicht wie bisher weiter zu machen.

Es wäre besser schon einzuüben, was in Zukunft Praktik sein könnte. Wir werden in Zukunft wieder von dualen Versorgungssystemen abhängig sein. Ein Teil der Versorgung wird auf dem Markt und auf Geld basieren, ein anderer Teil wird aus der eigenen Arbeit, ohne großen Input von Außen, entstehen müssen. Selbstversorgung hat man früher von den Eltern oder von den Großeltern gelernt. Selbstversorgung [oder den Ansatz der Permakultur] kann man nicht von heute auf morgen lernen. Heute würden die meisten verhungern, wenn der Supermarkt 4 Wochen zusperrt.“ (Ökonom Niko Pech)

Hier ein interessanter Audiobeitrag zum Thema. Klick to Play!

http://www.permaculture.at/wp-content/uploads/2014/01/konsumieren_ohne_Ende.mp3 ▶ custom player

Was ist Genügend?

Früher war das Genüge, was die Familienmitglieder verdienten und was sie selbst bereitstellen konnten. Also Lebensmittel, Kleidung und andere selbst gemachte Dinglichkeiten und Dringlichkeiten. Heute gibt es meist nur den einen Job als Einkommensquelle, von dem die einen mehr, die anderen etwas weniger abhängig sind.

Der Single ist der beste Konsument. Schon das Ehepaar ist nicht so ergiebig wie der Single, weil eine Waschmaschine und viele andere Dinge gemeinsam genutzt werden können. Ein gewisses Konsumniveau ist gesellschaftlich mehr oder weniger unumgänglich. Wie wurden die Leute dazu gebracht, sich Möbel für ein paar Jahre anzuschaffen und nicht mehr für ein ganzes Leben? War es ein richtiggehender Umerziehungsprozess, oder hatte es vielleicht großen Einfluss wenn Einige wenige vorlebten wie man westlich lebt?

Die Nachbarn kontrollieren sich gegenseitig ob sie den Normen und Ansprüchen genügen. Was denkt der Nachbar? Nicht konsumieren zu können wird gar als ein Makel gesehen. Konsumieren um nach außen zu genügen und um nach innen Beziehungen zu definieren, zu gestallten und zu pflegen. Werbung nutzt die Liebe und Beziehung als Vektor.

Ender der 70er war klar, dass der endlose Konsum Grenzen hat. Ein Zeit lang wurde wegwerfen unter dem  Motto „Ex und Hop“ sogar propagiert. Ein viertel (oder war es ein Drittel?) der Menschen verbraucht drei Viertel der Ressourcen. Wie gut, dass zwei Drittel der Menschen hierzulande aus dem Vollen schöpfen können. In manchen Supermärkten gibt es bis zu 7000 Artikel zu kaufen und die Aktionspolitik nach dem Motto „nimm Zwei zahl Eins“ ist nur dazu da, um Menschen zu etwas Neuem greifen zu lassen. Es würde sonst keinen Sinn machen in Supermärkten so viele Artikel anzubieten. Die richtig großen Supermärkte, wie in Frankreich,  haben sich bei uns nicht übrigens nicht durchgesetzt. Für Österreich ist die größte Geschäftsfläche 5000 qm. Alles was größer ist wird eher als qualitativ mangelhaft eingestuft.

Viel zu viel!

„Man kauft was man nicht braucht, von dem Geld das man nicht hat, um Dem zu imponieren, Den man nicht mag.“ (Wolf Menges) „Konsum ist ein Mittel zur Stabilisierung der Herrschaft: Der Zwang zum Konsum ist ein Zwang zum Gehorsam gegenüber einem unausgesprochenen Befehl. Moderne Macht ist elegant. Die Untertanen sollen wollen was sie sollen. Jeder steht unter dem Zwang wie die anderen zu sein“. (Kronemaier nach Pier Paolo Pasolini)

Wir haben die Kaufkraft um uns mehr Dinge zu kaufen, als wir Zeit haben, diese Produkte dann auch zu nutzen. Darum sind wir doppelt gestresst. Neben dem Berufsleben versinken wir in einem Überfluss an Dingen. Wachstumszwang treibt so manchen schon in jungen Jahren ins Burnout.

Links:

www.experimentselbstversorgung.net

www.wastecooking.com

 

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One Response to “Audio: Konsum und Suffizienz”

  1. Lieber Christian,

    vielen Dank für diesen Artikel. Ich finde das Modell der Postwachstumsökonomie, wie es Niko Paech aufgestellt hat, sehr gut. Und als wir sie kennengelernt haben, durften wir feststellen, dass wir das eh schon leben! ;) Nein, im Ernst, es waren tolle Bestätigungen dabei und endlich bekamen manch diffuse Überlegungen und manche Dinge, die wir einfach “aus gesundem Menschenverstand” heraus so gelebt haben, Namen und Erklärungen und einen wissenschafltichen Background. Das ist toll.

    Hab deinen Artikel in meine Themensammlung “Zukunft ohne Wachstum” gepackt, in der es zahlreiche solcher Artikel gibt: http://www.scoop.it/t/zukunft-ohne-wachstum

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