Außerfamiliäre Hofübergabe – Wie komme ich zu Land?

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Rund ein Fünftel der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich hat keinen Hofnachfolger: Außerfamiliäre Hofübergabe wäre eine mögliche Lösung.

Wie wäre es, wenn die Altbauern und Altbäuerinnen ihren Hof an Die übergeben, Die weitermachen wollen und wissen wie es geht? Die Hofübergabe außerhalb der Familie ist ein Weg aus dem Dilemma, denn rund ein Fünftel der Betriebe ist ohne Nachfolger (Der Standard 2005, S. 20) und die Betriebe in Österreich werden generell immer weniger. Ein Trend mit ungewissem Ausgang.

Im „Grünen Bericht 2012“, herausgegeben vom Lebensministerium heißt es: „In Österreich wurden im Jahr 2010 insgesamt 173.317 land- und forstwirtschaftliche Betriebe ermittelt. Gegenüber der letzten Vollerhebung im Jahre 1999 hat die Zahl der Betriebe um 20,3% abgenommen [!!!!!], und seit dem EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 hat sich die Betriebsanzahl um 27,5% verringert.“ Außerdem werden die Betriebe in Österreich immer größer: „Die  österreichische Land- und Forstwirtschaft ist nach wie vor kleinstrukturiert. Doch der Trend zu größeren Betrieben setzte sich weiter fort. Im Durchschnitt lag die landwirtschaftlich genutzte Fläche  (LF) aller Betriebe im Jahr 2010 bei 18,8 ha, dies ist fast eine Verdoppelung gegenüber 1951.“ (Grüner Bericht 2012, 66)

 „‘Ich habe mir meine Erben selbst gesucht‘ – Höfe neu beleben, Möglichkeiten eines Einstiegs in die Landwirtschaft.“ So der Titel einer Forschungsarbeit, die vom ÖBV – La Via Campesina Austria (http://www.viacampesina.at) in Auftrag gegeben wurde. Entstanden unter der Leitung von Frau Dr. Evelyn Klein, in Zusammenarbeit mit DI Andrea Heistinger und Kerstin Ehartmaier.

Die Fragen der Forschungsarbeit waren unter anderem, in welcher Lebenssituation Höfe außerhalb der Familie übergeben werden, und welche Hemmschwellen und Chancen Bäuerinnen und Bauern, die ihren Hof außerhalb der Familie weitergegeben haben, oder diese Option konkret in Erwägung gezogen haben, sehen.

DI Karin Okonkwo-Klampfer, Geschäftsleitering und Bildungsreferentin des ÖBV, fasst das Anliegen von Betriebsleiterinnen ohne Nachfolge fogendermapen zusammen:

„Einerseits ist das Anliegen wichtig, dass der Hof erhalten bleibt, (…), auch wenn die Kinder nicht übernehmen wollen, oder wenn es sich abzeichnet, dass keines der Kinder übernehmen möchte. Und es wird dann zur Frage, wenn die Bauern und Bäuerinnen merken, dass die eigene Kraft nachlässt, sie merken, es geht so nicht mehr (…). Dann setzt dieses Überlegen ein: Ja, wie geht es überhaupt weiter (…) Es geht um das Weiterbestehen des Hofes, meist in abgewandelter Form. Da sind die Menschen oft zu Kompromissen bereit, aber dass der Hof als Hof bestehen bleibt, das ist für viele Menschen ganz, ganz wichtig.“

Vor einiger Zeit gab es an der Universität für Bodenkultur einen Vortrag zum Thema, in dem die oben erwähnte Studie vorgestellt wurde. Die Quintessenz für all jene, die anstreben auf diese oder ähnliche Art – wie etwa Leibrente – einen Hof zu übernehmen ist folgendes:

Alle in der Studie erfassten Hofübernahmen, die bisher außerhalb der Familie durchgeführt wurden, sind vom Übergeber ausgegangen. Der Übergabeprozess dauerte teils mehrere Jahr und ist mitunter sehr anstrengend für beide Parteien. Mediation kann diesen Prozess gut unterstützen. Die Übergabe hat meist an eine Familie mit Kindern stattgefunden. Übergabe an eine Hofgemeinschaft ist nicht dokumentiert, da diese Form der Landwirtschaft noch eher unüblich und unbekannt ist. Es ist hilfreich sich in einer Region niederzulassen und intensiven Kontakt mit den Landwirten in der Umgebung zu unterhalten. Beratung ist für beide Seiten sinnvoll!

Auch im Internet gibt es Möglichkeiten einen Hof oder Nachfolger zu finden:

„In Deutschland setzt sich eine Arbeitsgruppe Ökologische Agrarwissenschaften an der Universität Kassel-Witzenhausen in Zusammenarbeit mit der Zukunftsstiftung Landwirtschaft schon seit längerem mit dem Thema auseinander. Über das Internetportal www.hofgruender.de besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit für Abgebende, ihre Höfe zu inserieren, Hofsuchende können ein Inserat auf der Internet-Hofbörse veröffentlichen. Interessant ist, dass auf dieser Hofbörse immer wieder auch Abgebende und Suchende aus Österreich inserieren.“ (Okonkwo-Klampfer 2012)

Auf der Seite von Via Campesina Austria gibt es ebenfalls eine Hofbörse. In der Sparte „Biete Hof“ gibt es viele Anzeigen. Allerdings sind die meisten Höfe gegen Pacht oder Kauf zu haben. Es werden aber auch Höfe gegen Leibrente (Link: Was ist das? ) angeboten: „Vergebe Bauernhof im nördlichen Waldviertel auf Leibrente oder Pacht: 31ha Acker, Grünland und Wald (ca. 3ha), derzeit 70 Maststiere; eigene Wohneinheit vorhanden.“ Eine Frau aus Salzburg schreibt: „Ich freue mich auf a liabe & gleichgesinnte Mitgestalterin/Mitbewohnerin für eine kleine, einfache Bergbauernhofgemeinschaft im Pinzgau“. Link zur Höfböre von Via Campesina: http://www.viacampesina.at/cm3/projekte/hofboerse/biete.html

Es braucht sicher eine große Portion Glück, um auf den beschriebenen Wegen an einen Hof zu kommen. Andererseits gibt es mit dem Internet – und dem Wissen um die Möglichkeiten – immer höhere Chancen. Wichtig ist vor allem Wissen rund um die Landwirtschaft mit zu bringen, denn ohne Vorkenntnisse wird es schwierig eine gewillten Übergeber zu finden.

Eine gute Quelle um sich genauer zu informieren, bzw. sich Beratung zu holen, ist die Via Campesina Austria (http://www.viacampesina.at), dort ist auch die erwähnte Forschungsarbeit auf Anfrage erhältlich!

Abschließend möchte ich dazu Einladen Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema als Kommentar zu hinterlassen!

Quellen: 

Der Standart (2005): Ein Fünftel der Höfe ohne Nachfolger. at: Der Standard 14.04.2005, S. 20

Lebensministerium (2012): Agrarstruktur in Österreich. at: Grüner Bericht 2012

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18 Responses to “Außerfamiliäre Hofübergabe – Wie komme ich zu Land?”

  1. Ronny sagt:

    Die Hoffnungen steigen wieder! Danke für diese Idee! Ich schau schon die Anzeigen durch! Denke wählerisch darf man nicht sein…

  2. stefan sagt:

    Landwirtschaftlich ausgebildeter 35jähriger mit der wohl nötigen Liebe zu dieser “Berufung” sucht einen Betrieb zur Übernahme. Vielleicht haben wir ja Glück und finden auf diesem Weg zueinander.
    Kontakt: Stefan_Forace@yahoo.de

  3. Wir haben mehrere Anläufe (als Übernehmende) in diese Richtung gemacht und haben es dann bleiben lassen. Es ist sehr schwierig, weil die Übergebenden, die wir kennen gelernt hatten, eben ganz bestimmte Vorstellungen haben, wie sie es möchten und sehr genaue Abläufe und Vorgehensweisen am Hof gewohnt sind.

    Übernehmende haben aber natürlich auch ihre Vorstellungen und Wünsche.

    Ich glaube das dies die Schwierigkeit daran ist. Die “Alten” müssen ein ganz schönes Stück loslassen können – die “Jungen” müssen sich mit ihren ganzen Ideen sehr zurückhalten können.

    Und dann kommt die menschliche Komponente dazu. Wenn Menschen sich kennenlernen, weil die einen von den anderen den Hof haben wollen, dann ist das von Anfang an eine Beziehung, die sich um Besitz dreht. Empfinde ich als wahnsinnig ungut.

    Ich glaube, so wie wir es nun gemacht haben, ist es am sinnvollsten. Wer etwas sucht, sollte in die Gegend gehen, in der er es am schönsten findet und sich dort in die Dorfgemeinschaft und die regionalen Netzwerke einbringen. Zunächst halt mit einem kleinen Mietshäuschen und ein bisschen Pachtgrund – ist günstiger als in der Stadt Wohnungsmiete zu bezahlen.

    Und wenn dann echte Freundschaften entstehen und man mit Bäuerinnen oder Bauern aus der Region Gemeinsamkeiten entdeckt, dann beginnt eine Basis zu entstehen, die tragfähig genug sein könnte für eine gute Übergabe.

    Aber es führen bekanntlich viele Wege nach Rom. ;)

    Alles Liebe,

    Michael

    • Franz sagt:

      Danke, Michael, hast es gut beschrieben, möchte dazu nur folgendes einbringen, die Übergeber, die mir persönlich bekannt sind, die das mit Leibrente gemacht haben, waren total unzufrieden und unglücklich.

      Ein Dilemma Liebe Grüsse Franz

  4. Eduard Precht sagt:

    Wir suchen eine ueberlebensfaehige Land- oder Forstwirtschaft bzw. Fischzucht zur Uebernahme auf Leibrente.

    Wir haben bereits internationale Erfahrung und erwarten gerne Ihre geschaetzte Kontaktaufnahme zweckes Detailgespraeche.

    Bis dahin beste Gruesse

    M. 0664 238 02 41

  5. Dietmar sagt:

    Junge Familie sucht Landwirtschaft auf Leibrente sind aus dem schönen pinzgau Salzburger Land die hoffnung stirbt zuletzt wenn sie was hätten bitte melden Sie sich unter 06641340806

  6. ingrid sagt:

    Wir suchen eine kleine Landwirtschaft oder ein Bauernhaus auf Leibrente für unser Projekt. Die “Lernzeit” ist ein Jugendprojekt, wo 2-3 Jugendliche mit Familienanschluss ins Leben zurückfinden, tiergestützt und pädagogisch betreut. Gerne lernen wir von und leben wir mit älteren Menschen, auch weitere Kinder und Tiere sind willkommen
    telnr 0660 4169595

  7. Hermann Vieider sagt:

    hallo: suche einen Hof wo ich leben u. etwas arbeiten darf? gibt es sowas? wohne in Südtirol, bin 62 und in Rente!

    • Hans sagt:

      Hallo Hermann,

      ja, den Hof wo du noch ein wenig arbeiten und umsonst wohnen kannst den gibt es.
      Habe vor kurzem einen Hof bei 3950 Gmünd/Waldviertel gekauft.
      Platz und Wohnraum ist genug da. Ich selber bin alleine. Außer mir gibts hier nur noch einen Hund derzeitig. Ich will neben dem Ackerbau eine kleine Gärtnerei betreiben, eventuell auch wieder Tiere, da sollte dann immer einer da sein.

      Gruß Hans Spießl

      tel. 0664 1530936

  8. Hermann Vieider sagt:

    Wenns ein kleinere Hof wäre würde ich ihn auch mieten!!

  9. Ein sehr interessanter Beitrag.
    Ich beschäftige mich nun schon seit vielen Jahren mit Betriebs- bzw. Hofübergaben und habe die Erfahrungen rund um die erfolgreiche Hofübergabe in einem Buch zusammengefasst. ( http://www.mediation-ooe.com/index.php/mediation/erfolgreiche-hofuebergabe )

    Auch bei außerfamiliärer Hofübergabe ist der Erfolg nur dann garantiert, wenn die unterschiedlichen Einflussfaktoren sowie die beteiligten “Rollen” (zB weichende Erben) berücksichtigt werden.

    Beste Grüße

  10. Helmut sagt:

    Suche eine Landwirtschaft in der Steiermark auf Leibrente. Wäre froh wenn die Besitzer so lange Sie möchten mithelfen. Ich bin aus der oberen Steiermark, und würde auch in eine andere Region umsiedeln. Würde mich über eine Antwort sehr freuen.
    lg. Helmut

  11. Joachim Schreiber sagt:

    hallo! die seite geht nicht wo man die höfe ansehen kann! Gibt es keine Hofübernahmebörse mehr?

    wenn ja, wo findet man sie?

    danke!

  12. Stephan sagt:

    Hallo.
    Ich suche für mich und meine Familie,Frau und 2 kinder einen Hof mit möglichkeit auf übernahme.
    Vielleicht weiß jemsnd was.
    Wir könnten uns auch eine kommune vorstellen.
    Liebe grüße

    • Leila-Mara Mörth sagt:

      Hi Stephan,
      vielleicht magst du mit mir in Kontakt kommen:
      wir-mein Partner Hartwig und ich, haben 2012 einen alten Meierhof gekauft und mit natürlichen Materialien restauriert, ich habe einen Waldgarten gestartet, der jetzt beginnt Früchte zu tragen.
      da wir aber mehr als unsere halbe Lebenszeit auf Ithaka verbringen, braucht unser Paradies in NÖ Mitlebende,
      mit lieben Grüßen, Leila

      • Stephan sagt:

        Hallo zurück
        Wie habt ihr euch das genau vorgestellt.
        Sprecht ihr hier von einem Bauernhof und
        Wie darf man sich das konzept waldgarten vorstellen.
        Wie habt ihr euch das allgemein vorhestellt wo genau seid ihr.
        NÖ ist Niederösterreich oder?
        LG maria und stephan

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